"Zwischen 1949 und 1959 herrschte ein reges, fröhliches und aktives Jugendleben in der Paulusgemeinde zu Hannover. Insbesondere die Jungen gründeten früh ihre Jungenschaft "St. Georg".

Damals, in der Zeit, in der es noch keine Fernseher, Diskos oder andere "moderne Genüsse" gab, war man froh und glücklich, in dieser Gemeinschaft zu sein, auch wenn man die "Heizung" in Form von Briketts selbst noch in die Sakristei (unser Zusammenkunftsraum) mitbringen musste. Die Kirche war zerstört; einen Gemeindesaal gab es am Anfang noch nicht.

Alles fing an mit einer "Einladung" von Sup. Rohde und der Gemeindehelferin. Zu diesem Treffen kam unerwartet und unangekündigt ein Jugendleiter namens Waldemar Heute, der ab sofort und für viele Jahre unser Jugendbetreuer sein sollte. Es stellte sich später heraus, dass er ein Segen für die Jugendarbeit in/an der Pauluskirche war. Er begleitete und prägte diese Arbeit in hohem Maße. Und nicht nur das. In vielen Gruppen- und Einzelgesprächen formte er auch den einen oder anderen Charakter in einer Periode, in der sich der Übergang von einem Jugendlichen zu einem Erwachsenen gestaltet.


Zentrales bundesdeutsches Jungenschaftstreffen in Landau/Pfalz

Zahlreiche Fahrten zu Jugendfreizeiten in die Region (Lüneburger Heide, Polle ...) wie auch eigen-organisierte Radtouren in die Umgebung von Hannover (Marienburg, Würmsee ..), aber z.B auch nach Landau/Pfalz brachten viel Freude und Zusammenhalt. Unser Wimpel war immer dabei.

Erinnerungen an frühere Zeiten werden geweckt, wenn man die vielen alten Fotos betrachtet.

 


Pastor Knippel („PK") und Frau auf Spiekeroog

Später kam (neben Sup. Sauerbrei) Pastor Knippel zur Paulusgemeinde. Auch er war ein Glücksfall für die Jugendlichen der Gemeinde. "PK", wie wir ihn nannten, ging voll in der Jugendarbeit auf. Obwohl um viele Jahre älter und "Amtsperson" fühlte er sich im Inneren als einer der Jugendlichen, einer von "uns". Ein Ereignis - beispielhaft - bleibt unvergessen: Wir spielten mit "PK" an einem Gründonnerstag Fußball vor dem neu gebauten Gemeindesaal (mit Kreuz über dem Eingang). Aufgelöst kam der Diakon aus dem Nichts und bemerkte empört: "Um Himmelswillen, im Angesicht des Kreuzes und morgen ist Karfreitag!"

Neben zahlreichen intensiven und jederzeit äußerst bereichernden Gesprächen mit Pastor Knippel bleiben gemeinsame Freizeiten mit ihm u.a. im Rauristal in Österreich oder auf Spiekeroog, wo auch eine große Mädchengruppe und Sup. Sauerbrei mit dabei waren, unvergessen.

 

Höhepunkt der Jugendarbeit war sicherlich die Aufführung des Laienspiels "Die Pforten der Hölle". Es war ein "Spiel von der Kirche und ihrem Auftrag". Pastor Knippel war der Initiator und Mentor für dieses Spiel. Die Spielleitung hatte ein in Hannover bekannter Schauspielerprofi: Prof. Walther Krückeberg. Mit seiner Mitwirkung war der Erfolg programmiert. Das neunzigminütige Schauspiel wurde mehrfach in und um Hannover (Pauluskirche, Friederikenstift, Schloss Celle, Uelzen ...) aufgeführt und hat uns Mitwirkende letztlich sehr bereichert.



Szenen aus „Die Pforten der Hölle"


Auch hier blieb eine Erfahrung in Erinnerung und machte nachdenklich, aber im nachherein auch glücklich: Die Aufführung im Flüchtlingsauffanglager Uelzen war für uns Laienschauspieler unbefriedigend, weil große Unruhe im überfüllten Saal herrschte. Wir hatten den Eindruck, die Konzentration der Zuhörer war nicht vorhanden; das Stück und seine Botschaft "kam nicht an". Aber: drei Tage nach dieser kleinen Enttäuschung kam ein Lehrer auf uns zu mit der Mitteilung, dass Verwandte von ihm an dem Abend in das Flüchtlingslager kamen und ein "glückliches, hoffnungsvolles Erlebnis durch das Laienspiel" hatten, für das sie sehr dankbar waren.

Unsere Jugendzeit in der Pauluskirche war eine intensive, glückliche und prägende Zeit."

Rolf Diener