Wie sah es 1865 im heutigen Gemeindebezirk aus?

Der damalige Kirchenvorsteher Senator Wilhelm Lutz hat im Gemeindeblatt 1931 und 1932 einige Erinnerungen festgehalten:

"Während heute (1931) etwa 65 bebaute und 5 - 8 unbebaute Straßen zur Pauluskirchengemeinde gehören, waren 1865 nur 16 Straßen auf derselben Grundfläche vorhanden. Es waren dies die Straßen: Aegidiendamm, Emmerberg, Emmertorweg (jetzt Wiesenstraße), Haarstraße, Maschstraße, Emmerstraße (jetzt Lehzenstraße), Meterstraße, Feldstraße, Hildesheimer Straße, Alte Döhrener Straße, Haspelstraße, Haspelfeld, Tiefenriede und Grasweg. Auf dem Emmerberge waren 25 Wohnhäuser, der Emmertorweg hatte 43 Häuser; während die Westseite, nach dem Emmerberge zu, ziemlich bebaut war standen auf der anderen Seite nur die Häuser vom Emmerberg bis zur Sextrostraße (damals noch nicht vorhanden) und die Häuser zwischen Hermannstraße (gab es damals auch noch nicht) bis zum Grasweg. Die Alte Döhrener Straße hatte die Häuser 1 - 26; dort wohnten vorwiegend Gemüsegärtner und Wäscher. Die Schlägerstraße hatte 15 Häuser, die Maschstraße 8 Wohnhäuser. Im ganzen waren in den 16 Straßen etwa 220 Häuser vorhanden. Da es sich meist um Ein- und Zweifamilienhäuser handelte, kann die Seelenzahl kaum 3200 betragen haben. 1865 wurde die Sextrostraße angelegt, blieb aber lange unbebaut, 1872 wurden die Akazien-, die Bleichen- und die Lemförderstraße bebaut. Die Schule für alle Kinder der Südstadt vom Emmerberg bis zur Bult lag an der Ecke Marien-/Dieterichsstraße; es war die Bürgerschule V, mit drei Knaben- und drei Mädchenklassen; sie hatte etwa 600 Kinder. Das Schulgeld betrug jährlich 2 Thaler. Am Aegidientor standen nur zwei Häuser, das Torschreiberhaus und die Höhere Töchterschule, ein altes Fachwerkhaus. Am Schäferdamm bis zum Warmbüchenkamp waren die großen Höfe und Gärten der Familien von Arnswaldt und von Reden."

Das Gelände an der Ecke Meterstraße und Hermannstraße (heute Bürgermeister-Fink-Straße) war damals also unbebaut. Die Pauluskirche stand zunächst im freien Feld. Die weitere Entwicklung der Stadt war jedoch abzusehen. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich die Widerstände vorzustellen, die beim Bau einer neuen Kirche zu überwinden waren. Auch in der "Gründerzeit" fiel es nicht leicht, das Geld für einen Kirchbau aufzubringen. Vor allem aber machte das Zusammengehörigkeitsgefühl von Kirchengemeinden - in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gewachsen! - die Teilung von Gemeinden schwer. So ist es der Gartenkirchengemeinde schwergefallen, sich aufteilen zu lassen. Man wollte ursprünglich an der Meterstraße nur eine Kapelle erbauen als Predigtstätte der Gartenkirchengemeinde, nicht aber als Zentrum einer neuen Gemeinde. Es bedurfte des ganzen Einsatzes des Abtes Uhlhorn, um den Kirchenvorstand dazu zu bewegen, den zustimmenden Beschluss zu fassen.

1882: Urkunde über die Kirchbauverhandlungen und den Beschluss zum Bau der Pauluskirche

"Nachdem die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Gartengemeinde erbaute Kirche sich längst für die über 20.000 Seelen starke Gemeinde zu klein erwiesen hatte, ging das Streben des Kirchenvorstandes dahin, dieselbe durch einen Umbau zu vergrößern, oder an Stelle der alten Kirche eine neues großes und würdiges Gotteshaus zu errichten. Zum Umbau der Kirche gedrängt, stand der Kirchenvorstand vor der schwierigen Frage, wie während der Bauzeit für die gottesdienstlichen Bedürfnisse der Gemeinde möchte gesorgt werden können, fanden keinen anderen genügenden Ausweg als den, an einer anderen Stelle der Gemeinde eine geräumige Capelle zu erbauen. Diese sollte als Provisorium dienen und nach Vollendung des Umbaues stehen bleiben, um dann etwa zu einer Kirche ausgebaut zu werden. Zu einem sofort in Angriff zu nehmenden Kirchenbau schienen keine Mittel vorhanden. In diesem Sinne wurde vom Kirchenvorstande am 6. November 1882 Beschluss gefasst und die Königliche Kirchencommission ersucht, gemeinsam mit Vertretern der Kirchenregierung sowohl als des Magistrats den gefassten Plan mit dem Kirchenvorstande zu berathen. Die zu diesem Zwecke anberaumte Sitzung fand am 14. December 1882 auf dem Rathause am Friedrichwalle statt. In derselben eröffnete Herr Abt Dr. Uhlhorn als Vertreter des Königlichen Landesconsistoriums dem Kirchenvorstande, daß der Herr Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten eine Behülfe von 15.000 Mark und Königliches Landesconsistorium eine Behülfe von 5.000 Mark für den Fall in Aussichte stelle, daß man sofort den Bau einer zweiten Kirchen ins Auge fassen und denselben innerhalb zweier Jahre beginnen würde. Der Vertreter des Magistrats, Herr Senator Albers, erklärte die Bereitwilligkeit des Magistrates, dem Kirchenvorstande einen Kirchenbauplatz zwischen Hildesheimer- und Meterstraße an der projectirten Verlängerung der Hermannstraße käuflich zu überlassen. Da nun dem Kirchenvorstande unterdessen von einem Gemeindegliede 10.000 Mark Beihülfe zum Kirchenbau in Aussicht gestellt waren und die dringende Aufforderung, nicht nur eine Capelle, sondern sofort eine Kirche zu erbauen, von dem Kirchenregimente an ihn erging, hielt derselbe noch am nämlichen Tage eine Sitzung zur weiteren Berathung der Angelegenheit und kam zu dem einstimmigen Beschlusse, nicht erst eine Capelle, sondern sofort eine einfache Kirche zu 800 Sitzplätzen auf dem Magistrat bezeichneten, den wünschen des Kirchenvorstandes entsprechenden Terrain zu erbauen, um nach Vollendung dieser Kirche den Bau der alten Kirche in Angriff zu nehmen."

1883: Die Grundsteinlegung

Nun ging es schnell voran. Schon am 10. November, dem 400 jährigen Geburtstag Martin Luthers, wurde der Grundstein gelegt. Aus der Ansprache von Abt Uhlhorn anlässlich der Grundsteinlegung, die ein Stück Kirchengeschichte der Stadt Hannover aufzeigt (Gemeindebrief vom 1. Advent 1936):

"Und noch in besonderem Maße soll uns der heutige Tag zum Freudentage werden. Tun wir doch heute den letzten Schritt einem lang ersehnten und erstrebten Ziele zu, des Gelingens uns freuend. Als unsere liebte Stadt Hannover von Jahr zu Jahr mehr anwuchs und über ihre alten Grenzen sich ausdehnte, drängte sich das Bedürfnis auf, den neuen Stadtteilen auch neue Kirchen zu schaffen. Drüben am andern Ende der Stadt machte die Hand eines frommen Königs, dessen Andenken uns gesegnet sei, den Anfang mit der Christuskirche. Dann legten wir den Grundstein zu einer Kapelle für den Teil dieser Gemeinde, der später zur Dreifaltigkeitsgemeinde wurde, dann in Kleefeld, dann im Schwesterorte Linden zur Zionskirche, dann zur Apostel-, dann zur Dreifaltigkeitskirche. Heute tun wir den letzten Schritt zum Ziele. Wenn die Kirche, deren Grundstein zu legen wir im Begriff sind, mit Gottes Hilfe sich erheben wird, dann umgibt die alte Stadt ein Kranz von neuen Kirchen, dann ragt da, wo bisher ohne Türme weithin die Massen der Häuser sich ausdehnten, Turm an Turm empor, und den Glocken der alten Türme, die unsere Väter erbauten, antworteten die neuen Glocken: "Ehre sei Gott in der Höhe!". Die kirchliche Versorgung der neuen Stadtteile ist, bis uns oder unseren Kindern neue Aufgaben erwachsen, fürs erste zum Abschluss gekommen ... Ja, Gott wollte auch diese Kirche Stätte werden lassen, wo die Predigt von der freien Gnade Gottes in Christo mit Beweisung des Geistes und der Kraft verkündigt wird uns und unseren Kindern und Nachkommen zu Trost und Heil und ihm und unserem Herrn Jesu Christo zu Ehren."

1886: Die Einweihung der Kirche

(Gemeindebrief vom 1. Advent 1936)

"Nach drei Jahren war der Kirchenbau fertiggestellt. Die Feier der Einweihung fand am 28. November 1886 statt. Geladen waren dazu außer den Behörden alle um das Zustandekommen des Werkes verdienten Personen. Die Teilnahme der Gemeindeglieder war außerordentlich groß. Unter Glockengeläut bewegte sich der Festzug um 12 Uhr von der Bürgerschule an der Meterstraße nach dem Portal der Kirche. Die Geistlichen trugen die heiligen Geräte voraus. Es folgten dann die Behörden, der Kirchenvorstande und die anderen geladenen Herren. Vor dem Portal überreichte der Baumeister Hillebrand dem Superintendenten der Inspektion Konsistorialrat Ahlfeld den Kirchenschlüssel, der ihn dann dem ersten Geistlichen, Pastor Gerbers, gab, worauf dieser im Namen des dreieinigen Gottes die Kirche aufschloss, Dann zog die Gemeinde in ihr schönes Gotteshaus ein. Konsistorialrat Ahlfeld hielt vor dem Altar die Weiherede über Off. 21, 9: "Siehe, ich mache alles neu:" 1. in der alten Gemeinde ein neues Gotteshaus, 2. und in dem neuen Gotteshaus eine neue Gemeinde. An die Weiherede schloss sich das Weihegebet. Beides hatte die Gemeinde trief ergriffen. Tausendstimmig sang dann die Gemeinde den ersten Gemeindegesang in Begleitung der Orgel: "Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren."